Pausen schätzen

Vielen Musikern ist bestimmt das Problem bekannt, wenn man eine längere Pause im Lied hat, den richtigen Einstieg wieder zu finden. Besonders schwer wird es, wenn um die Stelle herum ein aus-arrangiertes crescendo ist, d.h. einzelne Gruppen nach und nach einsteigen. Das kenne ich allerdings nur aus der Musiktheorie im echten Leben gab es das wirklich noch nie – bzw. wurde nicht erwähnt.

Was also tun? Schätzen ist eine Möglichkeit und ich glaube sogar sehr weit verbreitet. Man kann auf die Uhr sehen, das ist aber je nach Tagesform eine Lotterie. Man könnte sich an der Sonne orientieren, aber die umkreist die Erde nun wirklich zu langsam, wie wir alle wissen.

Mir wurde gesagt, dass die echten Profis, also so richtig krasse Freaks, sich dazu eine eigene Methodik überlegt haben. Um die Bläser herum sind Menschen die zappeln. Vorne immer nur einer, hinten manchmal mehr, manchmal weniger. OK, die hinter uns, die sieht man schlecht bis gar nicht, dafür hört man das Zappeln aber um so mehr. Wenn man jetzt genau hinsieht und hinhört, kann man in diesem Zappeln ein periodisch wiederkommendes Muster erkennen, bzw. hören. Leider gibt es dafür noch kein Wort, aber um darauf zurück kommen zu können, nenne ich es einfach mal Metrum – einfach so weil mir das Wort gefällt. Macht man sich das Metrum zu Nutze, kann man damit die Pausen genauer schätzen.

Wer jetzt von denen noch ein richtiger Überflieger ist, der zählt mit. Dazu nimmt man sich ein beliebiges Zahlensystem und macht sich dies zu eigen. Dualsystem, Dezimalsystem, Hexadezimalsystem oder mein Favorit das Duodezimalsystem. Rechnen mit der Basis 12. Verrückt, da steckt die 2 drin, die 3, 4 und 6. Und in der 6 steckt wieder 2 und 3 drin und in der 4 auch die 2. Mensch, was könnten wir alle rechnen wenn sich das durchgesetzt hätte, aber nein, wir haben das Dezimalsystem. Da steckt 2 und 5 drin – das sind unglaublich wichtige Zahlen. Das war Spaß. Keiner braucht die 5.

Also gut, wir zählen also mit dem Dezimalsystem. Wer jetzt noch das Glück hat und ein Instrument spielt, bei dem man nur eine Hand benötigt um es stabil halten zu können, dem kann kaum noch etwas passieren. Man nimmt einfach die freie Hand und zählt mit. Da man mit einer Hand immer nur bis 5 kommt, zählen die meisten dann einfach bei 1 weiter und halten sich die 5 „im Sinn“. Je nachdem wie lange die Pause geht muss man sich die anderen 5er im Kopf merken. Da kann man aber auch den Nachbarn fragen oder man schätzt wieder. Generell gilt die Faustregel, je länger die Pause, desto größer die Zahl. Bis 12 kann man auch die Fingerglieder zählen dazu drückt man mit dem Daumen auf die Glieder und geht immer eins weiter. Es bleiben 4 Finger übrig mit jeweils 3 Glieder. Ich sag ja, 12er System, das wäre was.

Nachdem wir nun wissen, wann wir anfangen, muss man nur noch wissen wann man wieder aufhört, aber das ist ein ganz anderes Problem. Leider ist mir keine Lösung bekannt.

 

Der Teufel steckt im Click-Track

Jaja, der Click-Track…

oder wie ich ihn seit dem Wochenende nenne: der Gerät.

Kennt ihr noch „der Gerät“? Eine Apparatur, die automatisch Fleisch von einem Dönerspieß schneidet. Bekannt geworden durch TV Total.

Mit den Attributen:

  • der Gerät wird nie müde
  • der Gerät schläft nie ein
  • der Gerät ist immer vor der Chef im Geschäft und schneidet das Dönerfleisch schweißfrei

Wie ich darauf komme? Diese Sätze passen auch zu dem Click-Track. Unnachgiebig peitscht er die Musiker nach vorne ohne zu zögern auch wenn die schwierigen Stellen kommen. Gnadenlos – immer weiter und weiter. Klack klack klack… peitsch peitsch peitsch. Nachdem der erste Teil geschafft ist und man sich fast schon selbst auf die Schulter klopfen möchten, hört man es schon wieder. Der Vorzähler: Klack klack klack. Dirigent zählt ein. Man bekommt das Gefühl der Click-Track spricht zu einem: „Na, wolltest dich gerade ausruhen, gell? Du weißt schon das gleich Tempo 150 kommt? [teuflisches Lachen] Ha ha ha hahaaaaa.“ Ich kann nicht mehr. Bitte bitte, mach mal kurz langsamer. Nur ein bisschen. Aber nein. Er wird nie müde.

Und dann am nächsten Tag? Man kommt in den Proberaum und da liegen schon die Kästchen und Kabel auf dem Boden. Und schon wieder hört man die teuflische Stimme im Ohr: „Ich hab‘ auf dich gewartet. [teuflisches Lachen]. Diesmal versuchst du aber mal im Takt zu spielen.“ Der Gerät ist immer vor der Chef im Geschäft.

Schweißfrei? Der Gerät schon – die Musiker nicht. Während wir uns bei 22° langsam in Dampf auflösen, liegen die Kästchen und Kabel unbeeindruckt auf dem Boden. Und das geschnittene Fleisch? Das bin dann wohl ich. Mir kommt es so vor, als ob ich ein paar Kilos am Wochenende verloren habe. Ist ja auch kein Wunder. Klack klack klack… peitsch peitsch peitsch.

 

 

Probewochenende in vollem Gange

14. Oktober bis 15. Oktober

Heute und morgen proben wir im großen Rahmen.
Von 10 Uhr bis 16.30 Uhr geht es an das Eingemachte.